Professor Rakdo spricht über die Tibetische Medizin

Professor Rakdo Lobsang Tenzin wurde 1956 in der Nähe von Qamdo, Ost-Tibet, geboren. Von 1974 bis 1979 studierte er unter dem grossen Meister Toru Tsenam die Tibetische Medizin in Theorie und Praxis.

1998 wurde er am „Central Institute of Higher Tibetan Studies“ (CIHTS) in Sarnath, Indien, zum Professor für Tibetische Medizin ernannt. Derzeit lehrt und leitet er mehrere Forschungsprojekte am CIHTS. Weiter hat Professor Rakdo bereits über 100 verschiedene Arznei-Rezepturen aus der Tibetischen Medizin entwickelt.

Bei einem Besuch in der Schweiz, entstand im Oktober 2014 folgendes Interview mit Professor Rakdo.

Was ist das Faszinierende an der Tibetischen Medizin?

Das Besondere und Faszinierende an der Tibetischen Medizin ist, dass sie ganzheitlich ist. Wir betrachten nicht nur einen Teil des Körpers und verwenden auch nicht nur eine einzige Rezeptur. Vielmehr betrachten wir den Körper als Einheit, als System,  also als Einheit von Körper und Geist. Besonders die Denkweise ist in der Tibetischen Medizin von Bedeutung, auch im Umgang mit Mitmenschen.

Wie bleibt man bis ins hohe Alter gesund? Gibt es einen guten Rat?

Ja sicher. Bis zum Tode oder bis ins hohe Alter gibt es Wege, gesund zu leben, wenn wir holistisch denken. Wenn also Körper und Geist im Einklang sind. Die Denkweise entscheidet, wie wir leben wollen. Insofern beeinflusst die Denkweise auch die Gesundheit. Nicht nur die Tibetische Medizin kann ihren Beitrag zur Gesundheit leisten, sondern auch die Ernährung und der persönliche Lebensstil. Alle Faktoren zusammen entscheiden über ein gesundes Leben.

Professor Rakdo was ist Ihr persönlicher Tipp für ein gesundes Leben?

Gespraech mit Professsor Rakdo

Es ist wichtig, über vieles nachzudenken und viele Lebensgewohnheiten zu überdenken. Beispielsweise den eigenen Lebensstil und die Ernährungsweise. Wichtig ist, auf sich zu achten, positiv zu denken, zu versuchen anderen Menschen zu helfen, die verschiedenen Lebensbereiche auszubalancieren und sich ausgewogen zu ernähren. Wir sollten versuchen, schlechte Angewohnheiten abzulegen. Dann wird dein Leben automatisch gesünder. Vom Tibetischen Medizinsystem können wir drei Dinge lernen:

  1. gesund zu leben
  2. positiv zu denken
  3. herauszufinden, wie man in Harmonie mit anderen Menschen lebt
Was verstehen Sie unter einer gesunden Ernährung?

Die Ernährung bedeutet nicht nur die Aufnahme von Lebensmitteln. Ernährung besteht aus den folgenden drei Elementen: Ernährungsdenkweise, Speiseplan und Ernährungslebensstil. Alle drei Elemente sind sehr grundlegend. Ernährung bedeutet heute auch global zu denken, anderen zu danken und dankbar zu sein, ebenso ein rücksichtsvoller Umgang mit Menschen und Ressourcen. Die Balance ist sehr wichtig: nicht nur zu sitzen oder den ganzen Tag herum zu rennen. Ernährungslebensstil bedeutet auszubalancieren, versuchen ins Gleichgewicht zu kommen. Dabei kann die Meditation oder Yoga helfen. All diese Dinge sind Teil eines Ernährungslebensstils.

Wie funktioniert die Pulsdiagnose?

Die Pulsdiagnose ist ein sehr gutes einzigartiges Instrument in der Tibetischen Medizin um Krankheiten von Patienten zu diagnostizieren. Ich denke für einen Arzt, der sehr viel Erfahrung besitzt, ist die Pulsdiagnose perfekt. Wenn nicht so erfahrene Ärzte versuchen, den Puls zu lesen, kann dies zu unsicheren Annahmen über die Krankheit führen.

Professor Rakdo bei der Pulsdiagnose

Professor Rakdo bei der Pulsdiagnose gemäss der Tibetischen Medizin.

Was muss ein Laie wissen, um die Tibetische Medizin zu verstehen?

Die Tibetische Medizin hat einen ganzheitlichen Ansatz. Insofern muss man nicht zwingend ein Profi auf diesem Gebiet sein, um sie zu verstehen oder nach ihr zu leben. Viele Menschen leben beispielsweise in ihrem Lebensstil und ihrer Ernährungsweise nach der Tibetischen Medizin, ohne es zu wissen. Es ist wie mit einem Stück Schokolade: es kommt nicht darauf an, von welcher Richtung man es betrachtet oder welches Ende man zuerst isst. Es ist und bleibt Schokolade. Wenn man Schokolade mag, kann man zuerst das eine Ende oder zuerst das andere Ende essen. Es kommt nicht darauf an. Die betreffende Person wird es geniessen. Genauso verhält es sich mit der Tibetischen Medizin. Jeder, der sich mit der Tibetischen Medizin befasst und sich Aspekte davon herauspickt, kann davon profitieren.

Wie stehen Sie dazu, dass die Tibetische Medizin nach westlichen Standards produziert wird?

Meiner Ansicht nach ist es sehr gut, dass es solche Firmen wie PADMA gibt. In der Welt, beispielsweise in Indien und in China, versuchen die Menschen ihr eigenes System zu etablieren. Daher ist es wichtig, jemanden zu haben, der die Tibetische Medizin auch in Europa repräsentiert und verbreitet. Bereits bei meinem letzten Besuch in der Schweiz habe ich mir die Firma genauer angesehen und deren Standards begutachtet. Ich mag die Herangehensweise und die Professionalität von PADMA sehr. Ich glaube, in Zukunft können auf der geschaffenen Basis dieses Unternehmens noch viele weitere Rezepturen in Europa verwirklicht werden. PADMA leistet einen überaus wichtigen Beitrag.

Was sind die Herausforderungen der Zukunft für die Tibetische Medizin? im Osten wie im Westen?

Die Tibetischen Ärzte müssen sehr gut ausgebildet sein und über die Tibetische Medizin Bescheid wissen, Spezialisten sein, um sich zu behaupten. Auch der Forschungsbereich ist eine grosse Herausforderung, ebenso die wachsenden Regulierungen. Unsere Denkweise muss vorsichtig und intelligent sein. Das gilt für die Tibetischen Ärzte, wie auch für die anderen involvierten Personen im Bereich der Tibetischen Medizin. Um die Tibetische Medizin voranzutreiben, sollten wir mehr wissen und immer einen Schritt voraus sein.

Professor Rakdo, vielen Dank für dieses aufschlussreiche Gespräch.

Posted by rr