Kalt, kälter, frieren – die TTM weiss was gegen Kälte hilft

Je kälter es ist desto häufiger friert man. Das Gewebe zieht sich zusammen, die Durchblutung und der Energiefluss sind träge und verlangsamt. Die Tibetische Medizin hat in den Höhen des Himalaya ganz eigene Konzepte mit Kräutern, konstitutionsbezogener Ernährung, heissen Steinen und Moxibustion entwickelt, die das inneres Feuer wieder anfachen und den Mangel an Energie ausgleichen – damit man warm durch die kalte Jahreszeit kommt.

 

Verdauungsfeuer – der „Ofen“ für den Körper

Gemäss der Tibetischen Anschauung wird die Körperwärme durch das Verdauungsfeuer, das sogenannte Medrod, erzeugt. Dieses schliesst die Nahrung während der Verdauung auf. Die dabei entstehende Energie wird durch die Körperkanäle zu den Organen transportiert und steht anschliessend dem gesamten Organismus zur Verfügung. Die innere Wärme verspüren wir vor allem im Unterleib, das Medrod befeuert hier die inneren Organe und auch die Nieren. Die Folgen von mangelnder Wärme und Energie des Unterleibs und der Beine werden daher auch als „kalte Nieren-Krankheit“ zusammengefasst. Eine aktive Nieren-Energie und Wärme im unteren Rumpf sind nicht nur wichtig für eine gute Verdauung und für die Funktion der Sexualorgane, sondern auch für die Blase und die ableitenden Harnwege. Ein Mangel an dieser Energie kann zu Kältegefühl im Bauchraum und im unteren Rücken sowie zu Flüssigkeitsansammlungen im gesamten Organismus führen.

Frauen frieren anders

Der weibliche Körper ist, wenn sich durch einen Mangel an Verdauungsfeuer eine Schwäche der Nierenenergie herausbildet, besonders gefordert. So kann es zu einer allgemeinen Empfindlichkeit bei Kälte kommen – vor allem im Rücken, oft auch bis hinunter zu den Füssen und Zehen. Für kälteempfindliche Frauen sollten daher ein Rückenwärmer im Nierenbereich und Wollsocken zur Grundausstattung gehören. Häufig begleiten diffuse Rückenschmerzen diesen Energiemangel.

Der Nieren-Blasenbereich ist ein weiterer Schwachpunkt bei mangelnder Nierenenergie – mit Folgen wie Nieren- und Blasenentzündungen, die lästig sind und immer wiederkehren. Frauen verspüren ein schwaches Medrod in diesem Bereich besonders, da die Geschlechtsorgane im Körperinneren liegen. Dies kann bei jungen Frauen sogar zu einem unerfüllten Kinderwunsch führen, da das „Nest“ in einer kalten Umgebung nicht ausreichend vorbereitet ist, damit sich junges Leben hier wohlfühlen kann.

Dass Frauen häufiger frieren als Männer, hat aus westlicher Perspektive auch einen physiologischen Hintergrund: Frauen haben einen aktiveren Stoffwechsel und brauchen dadurch auch mehr Wärme. In der Regel essen sie zurückhaltender und weniger fettreich als Männer – dies führt zu einer geringeren Produktion innerer Wärme. Da Frauen meist schlanker sind und eine im Verhältnis grössere Hautoberfläche haben, ist die Wärmeabstrahlung zudem deutlich höher. Aufgrund der anderen Hautstruktur sitzen die Thermorezeptoren – im Vergleich zu den wesentlich dickhäutigeren Männern – dichter an der Oberfläche und reagieren empfindlicher auf Temperaturschwankungen.

Das innere Feuer wieder entfachen

Das Verdauungsfeuer Medrod ist für viele Funktionen und Prozesse für das Wohlbefinden und die Gesundheit wichtig. Ein ausgeglichenes Feuer im Inneren unterstützt nicht nur die biochemischen Prozesse im Körper und die Verdauung sondern verhilft zu einem rundum wohligen Gefühl und somit zu mehr Vitalität und Energie. Die Tibetische Medizin kennt verschiedene Wege um das Verdauungsfeuer wieder richtig zu entfachen und für mehr Energie und Wärme im Körper zu sorgen.

7 Tipps um das Verdauungsfeuer einzuheizen

  1. Ernährung: Morgens auf nüchternen Magen ein Glas heisses Wasser oder Tee. Kalte Getränke und rohe Lebensmittel (Salate, Rohkost, Salami) meiden. Statt dessen sind heisse oder warme Getränke, Chai und Suppen, gedämpfte, gekochte und leicht verdauliche Speisen zu empfehlen.
  2. Wärmende Pflanzen: Nicht geizen mit den Gewürzen. Ingwer ist für Tees oder Speisen geeignet. Ansonsten z.B. Kurkuma, diverse Pfeffersorten, Chili, Gewürznelken, Zimt, Kardamom.
  3. Ku Nye Massage: Tibetische Massage mit warmem Sesamöl. Regt die Durchblutung an und wärmt den ganzen Körper.
  4. Tibetische Moxibustion: 3000-jährige Wärmetherapie mit Kräuterkegeln, die angezündet werden. Die entstehende Wärme löst Blockaden, den Energiefluss und regt die Durchblutung an.
  5. Tibetische „Fussheizung“: Mit heissen Steinen auf den Fusssohlen erwärmt sich der ganze Körper.
  6. Kuschelmomente für Körper und Geist:  Neben guter Kleidung, einem warmen und kuschligen Zuhause ist das Entspannen sehr wichtig um die Wärme und das Wohlbefinden willkommen zu heissen. Jetzt ist die beste Zeit sich bewusst zu entspannen. Ob heisses Schaumbad, sich auf dem Sofa in die Kuscheldecke wickeln und lesen oder fern schauen, einfach geniessen.
  7. Anregende Kräuterrezepturen: Aus dem Tibetischen Wissensschatz ist besonders eine Kräutermischung aus Granatapfelkernen, Galgant, Langem Pfeffer, Kardamom und Zimt geeignet, das Medrod anzuregen. Diese wärmende Rezeptur Sendu 5 unterstützt das Verdauungsfeuer und stärkt aus tibetischer Sicht die Nierenenergie.

Kältegefühl als Folge bestimmter Erkrankungen

Das Kälteempfinden beruht auf physiologischen Prozessen im Körper: Stoffwechsel, Blutdruck oder das Körpergewicht. Bei niedrigem Blutdruck werden die Extremitäten schlechter durchblutet, sodass Hände und Füsse noch kälter werden. Auch die Schilddrüsenfunktion spielt eine wichtige Rolle bei der Temperaturregulation. Sie bestimmt, wie viel Energie und damit Wärme überhaupt in unserem Körper verfügbar ist. Ist die Funktion der Schilddrüse eingeschränkt, frieren wir schneller.

Text-Auszüge: Von Dr. med. Simon Feldhaus erschienen in der Zeitschrift natur& heilen.

Lesen Sie den gesamten Beitrag aus der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift natur& heilen:
https://www.naturundheilen.de/artikel/schluss-mit-dem-frieren-tibetische-medizin-gegen-die-kaelte/

Posted by clz