Gewürze gegen Weihnachtsstress

Die Weihnachtszeit – eigentlich Zeit der Besinnung – ist für viele Menschen eine grosse Belastung. Sie hetzen durch die Stadt auf der Suche nach Geschenken und gönnen ihrem Körper nicht die in dieser Jahreszeit benötigte Ruhe. Viele fühlen sich zudem auch psychisch etwas reduziert. An einem Medizinischen Kongress in Zürich sprach Professor Florian Überall von der Medizinischen Universität Innsbruck über die schädigenden Auswirkungen von Stress und die heilende Wirkung von Gewürzen.

Herr Professor Überall, warum leidet der Körper unter dem Weihnachtsstress?

Der Körper leidet nicht nur unter Weihnachtsstress, sondern unter Stress ganz allgemein, ob physisch oder psychischer Herkunft.

Was geschieht im Körper wenn wir uns gestresst fühlen?

Der Körper reagiert mit der Aktivierung des Immunsystems. Dabei verwandeln sich die weissen Blutkörperchen je nach Art ihres Einsatzes zu differenzierten Abwehrzellen. Im Falle von Stress wird eine Entzündungsreaktion ausgelöst, die weissen Blutkörperchen verändern sich zu Makrophagen, zu sogenannten Fresszellen. Wie wir im Labor festgestellt haben, fällt dabei immer das Eiweiss „Neopterin“ an. Dieser Marker macht es möglich, dass sich die Entzündung im Labor relativ leicht nachweisen lässt. Man muss nur nach dem Neopterin suchen.

Wann wird der Stress ungesund?

Ungesund wird der Stress dann, wenn der Körper sich nicht mehr davon erholen kann. Das heisst, wenn die in Gang gesetzte Entzündung chronisch wird. Das Immunsystem dreht sozusagen im roten Bereich. Das kann zur Erschöpfung der körperlichen Abwehr führen, weshalb wir häufig anfälliger für Erkrankungen werden. Und chronische Entzündungen sind aus heutiger Sicht der Forschung wahrscheinlich Auslöser für zahlreiche Krankheiten wie Arteriosklerose, Diabetes mellitus, PAVK, aber auch leichte psychische Verstimmungen.

Wie lassen sich solche Verstimmungen in diesem Zusammenhang erklären?

Wie wir in unseren Versuchen feststellen konnten, steigt bei einer Entzündung nicht nur der Neopterinspiegel an, es wird auch Tryptophan abgebaut. Tryptophan ist die Vorstufe von Serotonin, welches gemeinhein als „Glückshormon“ bekannt ist.

Was hilft gegen diesen Abbau?

Im Prinzip können Sie ein gutes altes Hausmittel verwenden: Essen Sie ein Stück Schokolade oder jetzt in dieser Jahreszeit auch Weihnachtsgebäck. Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass gerade in der dunklen Jahreszeit geschmackvolle Gewürze in der Küche und beim Backen verwendet werden. Zimt, Anis, Ingwer, Kardamom sie alle sind nicht nur lecker, sondern auch gesund, denn sie lösen im  Körper sanfte Impulse aus, die den gesamten Stoffwechsel und den Hormonhaushalt beeinflussen.

Haben Sie mit Weihnachtsgebäck geforscht?

Nein, nicht direkt, aber ich forsche schon seit langem mit Naturstoffen. Das heisst mit Kräutern und Gewürzen. Hier liegt mir aus persönlichen Gründen die Tibetische Medizin sehr am Herzen.  Im Labor hat sich zum Beispiel gezeigt, dass die tibetische Campher-Rezeptur „Gabur“, die bei Durchblutungsstörungen eingesetzt wird, nicht nur Neopterin, also Entzündungen reduziert, sie kann offenbar gleichzeitig auch den Abbau von Tryptophan verhindern. Einen Effekt, den sie in dieser Kombination bei der Schokolade nicht finden.

myrobalanenfrucht_myrobalani_fructusGewürze, die Bitterstoffe enthalten und antioxidativ wirken:

  • Myrobalane
  • Galgant
  • Ingwer
  • Orangenschale
  • Wermutkraut

tibetische_rezeptur_pflanzen_sebru5_verdauungGewürze, die die Verdauung anregen:

  • Kardamom
  • Galgant
  • Granatapfel
  • Pfeffer
  • Zimt

Gewürze mit positiver Wirkung auf die Gallenfunktion:

  • Kurkuma
  • Pfeffer
  • Myrobalane
  • Galgant
  • Artischockenblätter
  • Ingwer
  • Kümmel
  • Majoran
  • Färberdistel
  • Rosmarin
  • Thymian
  • Koriander
  • Kerbel
  • Löwenzahnwurzel
  • Minze

tibetische_rezeptur_pflanzenAntibakteriell wirkende Gewürze:

  • Anisfrüchte
  • Fenchelfrüchte
  • Galgant
  • Granatapfel
  • Kardamom
  • Koriander
  • Kümmel
  • Pfeffer
  • Minze
  • Rosmarin
  • Salbei
  • Zimt
florian_ueberall_essmedizinFlorian Überall

1954 in Kitzbühel geboren. Univ. Prof. Mag. Dr. PhD., Biochemiker und Mikrobiologe. Langjährige Erfahrung in molekularer Krebs- und Naturstoffforschung, Umweltbiochemie und Ernährungslehre. Leiter der Arbeitsgruppe Nutritional Biochemistry und Nutrigenomics an der Medizinischen Universität Innsbruck. Leiter des Informationszentrums für Tibetische Medizin in Telfs in Tirol.

Erschienene Bücher

essmedizin-fuer-dichessmedizin_florian_ueberallbitter_und_herbstoffe_florian_ueberall

Posted by clz