Den Körper im Frühling unterstützen

Besonders beim Wechsel der Jahreszeiten braucht unser Körper oftmals mehr Beachtung und Unterstützung, um den Übergang von Kälte zu Wärme, aber auch von der Trägheit und Gelassenheit des Winters zum Frühling bewältigen zu können. Aus Sicht der Tibetischen Konstitutionslehre beeinflussen die Jahreszeiten den menschlichen Körper und das Immunsystem sehr stark.

Die Kälte des Winters, schwächt den Körper. In dieser Jahreszeit ist es wichtig den Körper warm zu halten und mit einer eher deftigen Ernährung wie Fleischsuppen oder öligen Speisen zu unterstützen. Süsse, saure und salzige Nahrungsmittel sind gut geeignet. Um die schwere und kalte Beken-Energie vom Winter abzubauen hilft im Frühling regelmässiger Sport, aktivierende Massagen und Nahrungsmittel mit den Geschmacksrichtungen bitter, scharf und herb. Ausserdem tragen Honig und abgekochtes (Ingwer-)Wasser zur Beruhigung von Beken bei.

Der Organismus reagiert auf den Wechsel der Jahreszeiten auf verschiedene Weise. Pflanzliche Kräutermischungen gemäss der Tibetischen Lehre leisten einen wertvollen Beitrag, um den Körper auf sanfte und natürliche Weise zu unterstützen und ins Gleichgewicht zu bringen.

Die Leber

Das Lebersystem ist laut der Tibetischen Medizin eines der ausschlaggebenden Körperkreisläufe. Vor allem nach der kalten Jahreszeit können verschiedene Faktoren wie übermässiger Konsum von reichhaltigen oder fettigen Lebensmitteln wie, Fleisch, Käse, Alkohol oder Zucker den Leberkreislauf stören. Durch diese Belastung wird die Leber aus dem Gleichgewicht gebracht. Als Folge davon steigt Tripa, die Leberhitze, an. Der Frühling ist gut geeignet um dem Leberkreislauf wieder zu seinem Gleichgewicht und so dem gesamten Organismus zu Wohlbefinden verhelfen. So unterstützt die tibetische Rezeptur ‚Bras bu 3 die Leber, ihre Reinigungsfunktion und ihre Regenerationsfähigkeit. Sie besteht aus drei Früchten: Myrobalanenfrucht, Terminalia-bellerica-Frucht und Amlafrucht, die wertvolle Polyphenole, Bitter- und Gerbstoffe enthalten. Die Myrobalanenfrucht wir auch als „Königsmedizin“ bezeichnet und  gilt als Frucht des Medizinbuddhas. Aufgrund ihrer balancierenden Eigenschaften kommt sie in sehr vielen Rezepturen der Tibetischen Medizin vor.

Die Verdauung

Ebenso wie der Leberkreislauf ist auch der Verdauungskreislauf wesentlich für unser Wohlbefinden. Nach Tibetischer Auffassung ist die Wärme, das Element Feuer, essentiell für die Balance des ganzen Verdauungstraktes. Sie sprechen vom sogenannten „medrod„, dem Verdauungsfeuer.  Ein Ungleichgewicht im Verdauungskreislauf beeinflusst die Abläufe im gesamten menschlichen Körper. Seit Jahrhunderten wird in der Tibetischen Medizin die Granatapfelrezeptur Se ‚bru 5 als wärmende Rezeptur angewendet. Daher kann nach der Einnahme ein anregendes und wohliges Wärmegefühl im Magen wahrgenommen werden.

Der Magen

Beken steht in der Tibetischen Konstitutionslehre für die „kalten“ Elemente Wasser und Erde. Herrscht im Körper ein chronisches Ungleichgewicht von Beken, so führt das nicht nur zum Abschwächen des Verdauungsfeuers sondern auch zur Störung des physiologischen Kreislaufs der anderen Körperenergien. Dies wiederum führt zu einer Überproduktion der Magensäure. Die Tibetischen Rezeptur Cong zhi 6, wird seit traditionell als den Magen harmonisierende und neutralisierende, leicht wärmende Rezeptur angewendet.

Die Galle

Ein Beken-Ungleichgewicht führt zu einem unbalancierten Fettstoffwechsel und kann auch zu einer Hitze-Störung (tibetisch Tripa) und somit zu einem Ungleichgewicht aller drei Körperenergien (Lung, Tripa, Beken) führen. Dies resultiert in kühlen Gliedmassen, einer trägen Verdauung und einer Abflachung der Leber-Galle-Funktion. Die Ursache ist oft schweres und fettes Essen. Der Stoffwechsel ist eingeschränkt und führt zu Appetitmangel, Blähungen und allgemeinem Unwohlsein. Die Tibetische Kräuterrezeptur Garnag harmonisiert alle drei Energien und aktiviert die Gallenfunktion.

Die Nerven

Lung ist in der Tibetischen Konstitutionslehre das Element Wind oder Luft. Ist zu viel vorhanden, entsteht ein Ungleichgewicht zu den anderen Elementen Tripa (Feuer) und Beken (Erde/Wasser). Die Folge: Schwierigkeiten bei der Stressbewältigung, innere Unruhe, sich rastlos fühlen, Schlaflosigkeit, Nervosität oder Reizbarkeit. Herrscht ein Lung-Ungleichgewicht im Körper, ist es auf eine Blockade im Lebenskanal (tibetisch sogtsa) zurückzuführen. Die Energie kann so nicht frei zirkulieren. Das tibetische Vielstoffgemisch Srog ‚zin 10, wirkt nervenstärkend und unterstützt eine normale Funktion des Nervensystems. Es fördert die innere Ruhe und natürliche Gelassenheit ohne die Leistungsfähigkeit zu beeinträchtigen.

Die Gelenke

Ein energetisches Ungleichgewicht kann bei bestimmten Konstitutionstypen zu einer Empfindungen in den Gelenken führen. Man spricht in diesem Fall auch von ‚leerer Körperhitze‘. Zwar ist die Körpertemperatur im normalen Bereich, jedoch fühlt der Betroffene trotzdem eine lokale Hitze. In diesem Fall eignet sich die Rezeptur sLe tre 5. Nach den Prinzipien der Tibetischen Medizin harmonisiert sie das Feuer-Element und wirkt gegen „verstecktes Fieber“, das sich in lokalen Entzündungserscheinungen, v.a. in den Gelenken zeigen kann. Die Kräuterkomposition wirkt anti-entzündlich und schmerzstillend eignet sich vor allem für die Behandlung von akuten Gelenkschmerzen.

Die Durchblutung

Häufig wird während den Wintermonaten weniger Sport getrieben. Wenig Bewegung hat auch einen Einfluss auf die Durchblutung. Kalte Hände und Füsse können auf eine Durchblutungsstörung hinweisen. Aber auch andere Symptome wie wie Kribbeln und Ameisenlaufen oder Beschwerden beim Gehen können sich verstärken. Gemäss der Tradition der Tibetischen Medizin werden den Campher-Rezepturen (tibetisch Gabur), durchblutungsfördernde, entzündungshemmende und bei Atemwegsinfektionen antibakterielle Eigenschaften zugeschrieben. Die bekannteste Tibetische Rezeptur besteht aus über 20 pflanzlichen und mineralischen Inhaltsstoffen, wirkt vernetzt und löst vielfältige und sanfte Impulse im Körper aus.

Die Tibetische Konstitutionslehre lebt nach der Philosophie, die innere Balance zu finden, um das Körpergleichgewicht von innen und aussen zu unterstützen. Besonders in der Zeit des Wechsels ist es wichtig, den Alltag bewusst zu entschleunigen und dem Körper und Geist genug Zeit zur Erholung und Entspannung zu gönnen.

Posted by clz