Das Geheimnis tibetischer Kräuter-Rezepturen

Ein wichtiger Eckpfeiler bei der Behandlung gemäss der Traditionellen Tibetischen Medizin (TTM) ist die Anwendung von pflanzlichen Rezepturen. Die Stärke solcher Rezepturen ist ihre Form als Vielstoffgemische. Sie bestehen aus mindestens 3 bis sogar über 20 Inhaltsstoffen. Bewährt hat sich unter anderem die Rezeptur, welche auf der traditionellen Formel Se’bru 5 basiert. Sie besteht aus  Granatapfelsamen, Galgant, Langem Pfeffer, Kardamom und Zimtkassia. Traditionell hat es wärmende Eigenschaften, fördert die Verdauungswärme (tib: Medrod) und wird deshalb auch als Konstitutionsmittel bei älteren Menschen, Rekonvaleszenz und Appetitmangel eingesetzt. Ausserdem kommt es bei Magen- und Dünndarmbeschwerden, bei Kälte im Bauch und Unterleib mit Symptomen wie Schmerzen im Lumbalbereich, Prostatabeschwerden, Unfruchtbarkeit, Libidoverlust und wiederkehrender Zystitis zur Anwendung.

Granatapfelsamen

granatapfelsamen_frischSaft und Samen der Frucht gelten als verdauungsfördernde Magenmittel. Fruchtschale, Stammrinde und Blätter enthalten wurmabtötende Gerbstoffe und werden gegen Durchfall und Darmentzündung sowie als Gurgelmittel bei Halsschmerzen eingesetzt. Die Verwendung der Rinde gegen Bandwürmer lässt sich bis ins Alte Ägypten 2000 v.Chr. zurückverfolgen. Die Samen sind reich an Kalium, Kalzium, Eisen, Vitamin C und wertvollen Fettsäuren. Sie werden in der asiatischen Medizin als Stärkungsmittel und bei Anämie eingesetzt. Gemäss experimentellen Erkenntnissen wirken die tanninreichen Teile des Granatapfels antimikrobiell, gegen Bakterien, Pilze und bei Durchfall. Die im Fruchtsaft enthaltenen Tannine und Flavonoide wirken stark antioxidativ, stärker als Grüntee. Forschungen zeigen, dass der Saft eine anti-karzinogene Wirkung aufweist. Klinische Studien bestätigen eine vorbeugende Wirkung bei Arteriosklerose. Se’bru, tibetisch für Granatapfel, steigert die Verdauungshitze und wird eingesetzt bei Verdauungsstörungen, Appetitverlust und Blähung.

Galgant

GalgantSchon im Altertum wurde Galgant in Indien als Magenmittel benutzt. In Europa ist die Arznei seit dem 8. Jh. bekannt. Hildegard von Bingen (12. Jh.) rühmt sie als das „Gewürz des Lebens“.

Sie empfahl Galgant bei Herzleiden oder bei Magen- und Darmerkrankungen. Das ätherische Öl im Galgant wirkt spasmolytisch (krampflösend), entzündungshemmend und antibakteriell. Die Scharfstoffe gelten als desensibilisierend auf gereizte Magennerven, bewegungsfördernd und brechreizhemmend. Insgesamt wirkt Galgant verdauungsfördernd, galletreibend und appetitanregend. Aus diesem Grund wird er zur Behandlung von dyspeptischen Beschwerden wie Magenschmerzen, Blähungen, Übelkeit und Brechreiz sowie Appetitlosigkeit, ferner bei Gallenkoliken eingesetzt. Das Ingwergewächs fördert nach tibetischer Anschauung die Verdauungshitze, sorgt für eine gute Nährstoffaufnahme, regt den Appetit an und wirkt gegen Blähungen

Langer Pfeffer

Langer PfefferDen Früchten des Langen Pfeffers wird eine gefässerweiternde Wirkung zugeschrieben. Sie sind zudem hustenstillend und werden in Indien zur Behandlung von Bronchial-Asthma, bei Muskelschwäche, Leber- und Gallenleiden sowie bei Befall mit Eingeweidewürmern eingesetzt. Die Ayurveda verschreibt sie gegen Übersäuerung des Magens und gegen Darmgeschwüre. In der TTM wirkt der Lange Pfeffer wärmend und kurbelt die Nierenhitze an. Er stimuliert die Spermien- und Eizellenproduktion. Eingesetzt wird er in Kombination mit anderen Heilpflanzen bei Störungen des „Wind-“ und „Schleimprinzips“, Atemproblemen, Schleimbildung im Brustbereich sowie Magenverstimmungen und Blähungen.

Zimtkassia

zimtkassiaIn der Pflanzenheilkunde gilt die Rinde (Zimtkassia) als wichtigster Wirkstoff des Zimtbaumes und wirkt galletreibend, anti-ulzerogen (gegen Magengeschwüre), appetitanregend, entzündungshemmend, antibakteriell, antiviral und senkt den Blutzuckerspiegel. Insbesondere das ätherische Öl wirkt antibakteriell, spasmolytisch (krampflösend) und Blähungen reduzierend. Zimtkassia wird angewendet bei krampfartigen Beschwerden im Verdauungstrakt, Blähungen, Völlegefühl, Durchfall, Appetitlosigkeit und vorübergehenden Erschöpfungszuständen. Laut der TTM wirkt es wärmend, fördert die Verdauungshitze, sorgt für gute Nährstoffaufnahme und stoppt Durchfall.

Kardamom

kardamomObwohl Kardamom zu den Ingwergewächsen gehört, wird nicht die Wurzel, sondern die Samenkapsel als Gewürz verwendet. Ihm wird verdauungsfördernde und magenstärkende Wirkung zugeschrieben. Er soll die Gallenbildung fördern, die Gallensekretion antreiben, ist gut gegen Blähungen und hat eine ausgewiesene antibakterielle wie auch antivirale Wirkung. Einige Quellen sagen ihm aphrodisische Wirkungen nach. Gemäss der TTM wirkt Kardamom verdauungsfördernd, appetitanregend, wärmend und wird angewendet bei „kalten“ Nieren- und Magenleiden, Appetitlosigkeit, Magenverstimmung.

Posted by clz